Rückabwicklung im Detail

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WORUM ES GEHT

Lebensversicherung verstehen

In bestimmten Lebensversicherungsverträgen erhält der Versicherer aus den Versicherungsbeiträgen einen Sparanteil. Diesen legen Versicherungsunternehmen nach Abzug der Kosten gewinnbringend an. Mit den aus Ihren Beiträgen angesammelten Sparanteilen wirtschaften die Versicherer und erzielen hohe Gewinne.

Sie müssen belehrt werden

Sie müssen vor Abschluss einer Lebensversicherung wissen, dass Sie innerhalb einer bestimmten Frist ohne Angabe von Gründen von einer Lebensversicherung zurücktreten können. Dies ist die „Belehrungsfrist“. Es ist die Pflicht des Versicherers, Sie hierüber vor Abschluss einer Lebensversicherung richtig und vollständig zu belehren.

Sie sind dauerhaft geschützt

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Versicherungsnehmer auch nach Ablauf der Belehrungsfrist dauerhaft geschützt bleiben, wenn der Versicherer nicht richtig und vollständig über Ihr Rücktrittsrecht belehrt hat. Hat Ihr Versicherer z.B. versäumt, Sie 1994 vor Abschluss des Lebensversicherungsvertrages richtig und vollständig zu belehren, können Sie daher auch noch 2017 von Ihrer Lebensversicherung zurücktreten.

Sie werden geschützt

Als Bürger der Republik Österreich sind Sie seit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union durch das europäische Verbraucherrecht geschützt. Hierfür hat die Europäische Union den österreichischen Gesetzgeber verpflichtet, Sie vor einem übereilten Abschluss eines oft langfristigen Lebensversicherungsvertrages zu schützen.

Sie können zurücktreten

Hat ein Versicherer Sie vor Vertragsabschluss nicht richtig und vollständig über Ihr Rücktrittsrecht belehrt, können Sie vom Vertrag insgesamt, d.h. von Anfang an, zurücktreten. Ihr Rücktritt führt dazu, dass der Lebensversicherungsvertrag nie zustande gekommen ist.

Sie sind auch in Österreich geschützt

Der Oberste Gerichtshof der Republik Österreich hat klargestellt, dass dieser dauerhafte Schutz auch in Österreich gilt. Hat Ihr Versicherer Ihnen den Schutz einer richtigen und vollständigen Belehrung nicht gewährt, können Sie daher auch in Österreich noch heute von einer Lebensversicherung zurücktreten, die nach dem Beitritt der Republik Österreich in die Europäische Union geschlossen wurde.

WAS KÖNNEN SIE VERLANGEN?

„Mit den richtigen Argumenten haben Sie Anspruch auf mehr Geld.“

Mehr als nur Rückkaufswert

Ihnen steht aus einer geschützten Lebensversicherung mehr als nur der Rückkaufswert zu. In der Praxis bieten Versicherer aber vielfach nur den oft weit unter den gezahlten Beiträgen liegenden Rückkaufswert aus § 176 VersVG. Die Berechnung des Rückkaufswertes legt der Versicherer Ihnen nicht offen.

Herausgabe von Erlangtem und Nutzungen

Wenn Ihre Lebensversicherung wegen einer fehlenden oder fehlerhaften Belehrung rückabgewickelt werden kann, so können Sie vom Versicherer die Herausgabe des Erlangten und die Erstattung tatsächlich gezogener Nutzungen verlangen. Weitergehende Ansprüche aus anderem Rechtsgrund, insbesondere aus Schadenersatz, sind möglich, aber Frage des Einzelfalls.

Welche Nutzungen hat der Versicherer aber mit Ihren Beiträgen tatsächlich erzielt?

Argumente entscheiden über die Höhe

Grundsätzlich können Sie die von Ihnen gezahlten Versicherungsbeiträge zurückverlangen. Zusätzlich können Sie in Österreich Zinsen in Höhe von 4% auf die von Ihnen gezahlten Versicherungsbeiträge geltend machen. Höhere Ansprüche sind möglich, müssen aber beim Versicherer durchgesetzt werden. Ferner wird Ihr Versicherer versuchen, Ihre Ansprüche durch Abzüge zu kürzen, deren Berechtigung zu prüfen ist.

Dies setzt aber fachkundigen Sachverstand über tatsächlich gezogene Nutzungen Ihres Versicherers sowie Rechtskenntnis voraus und erfordert ein interdisziplinäres Verständnis.

WELCHE VERTRÄGE SIND BETROFFEN?

„Nicht jeder Vertrag ist geeignet.“

Zeitraum und Versicherer

Ob Ihr Vertrag rückabgewickelt werden kann, hängt u.a. davon ab, wann Ihr Vertrag abgeschlossen wurde. Insbesondere Verträge, die in den Jahren von 1994 bis 2012 abgeschlossen wurden, enthalten oft fehlende oder fehlerhafte Belehrungen. Ferner haben Versicherungen unterschiedliche Fehler bei der Belehrung gemacht, weshalb unterschiedlich argumentiert werden muss.

Kapitalbildende Lebensversicherungen?

Ja. Eine Kapitallebensversicherung, auch Erlebensversicherung genannt, kann betroffen sein. Sie besitzt einen Sparanteil, den der Versicherer investiert hat. Der Versicherer muss bei fehlender oder fehlerhafter Belehrung Ihre Beiträge und die damit erlangten Nutzungen an Sie herausgeben.

Rentenversicherungen?

Ja. Eine Rentenversicherung ist eine Lebensversicherung, deren Versicherungsleistung bei Erleben des Ablaufdatums als Rente ausgezahlt wird. Auch sie kann betroffen sein. Sie besitzt einen Sparanteil, den der Versicherer investiert hat. Der Versicherer muss bei fehlender oder fehlerhafter Belehrung Ihre Beiträge und die damit erlangten Nutzungen an Sie herausgeben.

Fondsgebundene Versicherung?

Ja. Eine Fondsgebunde Lebens- oder Rentenversicherung kann betroffen sein. Sie besitzt einen Sparanteil, mit denen der Versicherer für Sie von Ihnen ausgewählte Fondsanteile erworben hat. Der Versicherer muss bei fehlender oder fehlerhafter Belehrung Ihre Beiträge und die damit erlangten Nutzungen an Sie herausgeben.

Risikoversicherung?

Nein. Eine Risikoversicherung, auch Ablebensversicherung genannt, ist nicht betroffen. Sie besitzt keinen Sparanteil. Ihre Beiträge und die damit erwirtschafteten Gewinne sind in die Finanzierung des Risikoschutzes geflossen.

Beendete Verträge?

Ja. Da Sie dauerhaft geschützt sind, können auch schon beendete Lebensversicherungen durch Rücktritt rückabgewickelt werden. Sie haben ein „unendliches“ Rücktrittsrecht. Der Versicherer muss daher auch für schon lange beendete Verträge Ihre Beiträge und die damit erlangten Nutzungen an Sie herausgeben.

Verpfändete, vinkulierte oder abgetretene Verträge

Bitte prüfen Sie, ob Sie Ihre Lebensversicherung abgetreten, vinkuliert oder verpfändet haben. Bei einer noch bestehenden Abtretung, Vinkulierung oder Verpfändung müssen die Rechte aus der Lebensversicherung vor der Geltendmachung von Ansprüchen geprüft und geklärt werden. Anderenfalls könnte eine Durchsetzung allein deshalb scheitern.

Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge
Ja. Hierbei handelt es sich um spezielle Versicherungsprodukte, die seit dem Start im Jahr 2003 von Versicherungen angeboten und durch eine Prämie staatlich gefördert werden.

„Bereiten Sie sich vor. Ihr Gegner ist stark!“

Prüfen Sie Ihren Bedarf

Viele laufende Versicherungsverträge enthalten einen zusätzlichen Risikoschutz, der für Ihre konkrete Lebensplanung sehr wichtig sein könnte: Todesfallschutz, Berufsunfähigkeit, Pflegebedürftigkeit usw. Welchen brauchen Sie davon? Sprechen Sie mit Ihrem Versicherungsmakler oder Versicherungsberater.

Handeln Sie mit Bedacht

Bitte kündigen Sie laufende Lebensversicherungen nicht leichtfertig. Ist Ihre Lebensversicherung noch nicht beendet, können andere Lösungen für Sie geeigneter sein. So können laufende Lebensversicherungen beitragsfrei gestellt oder über ein Polizzendarlehen beliehen werden. Sprechen Sie mit Ihrem Versicherungsmakler oder Versicherungsberater.

Rechtsstreit

Wenn Sie Ansprüche gegen einen Versicherer geltend machen wollen, sind Sie ohne kompetente Hilfe allein auf sich gestellt. Sie benötigen erfahrene und kompetente rechtsfreundliche Vertretung. Diese ist teuer. Es besteht die Gefahr einen langfristigen Rechtsstreit zu verlieren und alle Kosten alleine tragen zu müssen.

Prozesskosten

Die Kosten einer Einzelklage in Österreich sind hoch. Insbesondere „kleinere“ Beträge, d.h. solche über „nur“ einige tausend Euro können nur gegen unverhältnismäßig hohe Kosten eingeklagt werden. Ohne Rechtschutzversicherung ist das Kostenrisiko zu hoch. In vielen Fällen decken Rechtschutzversicherungen Prozesse nicht. Hiermit rechnen Versicherer.